Anja Heinze

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Der Fleck

Anja HeinzeNeulich war ich im Kino. Ich hatte Lust darauf, einen Film zu sehen, einen Liebesfilm natürlich. So einen, bei dem sich Held und Heldin garantiert kriegen. Wie im wahren Leben. Es war ein warmer Sommertag und ich der Ansicht, ich könnte auch mal alleine ins Kino gehen. Mit Mitte Zwanzig bin ich nun so weit, ich gehe alleine und ganz bewusst ins Kino. Man braucht als Frau ja etwas Eigenes.

Der Film war, nun ja, wie soll ich es am besten beschreiben: schnulzig. Was erwarten Sie? Soll ich mir alleine einen Film ansehen, bei dem eine depressive Alkoholikerin einen Ausflug durch Eis und Schnee unternimmt und am Ende irgendwo erfriert. Nein ich wollte was fürs Herz, so richtig echt mit Gefühl. Als ich genüsslich mein Popcorn kaute, verschluckte ich mich fast, als er reinkam: Groß, dunkelhaarig und in Begleitung. Er hatte blaue Jeans an, die seinen Hintern erst richtig zur Geltung brachten.

Als er reinkam, setzte er sich genau in die Reihe vor mich. Ich beugte mich nach vorne, um nach meiner Handtasche unterm Kinositz zu schauen. In Wirklichkeit wollte ich an seinen Haaren riechen. Und wie die rochen, nach Tabak und Parfüm. Ganz langsam näherte ich mich seinem Kopf von hinten und pustete ihm ins Ohr. Er schlug mit der Hand nach der nicht vorhandenen Fliege und traf mich im Gesicht. "Oh verzeihen Sie", drehte er sich um und bat mich um Entschuldigung. Wie süß, war er meinetwegen etwa rot geworden. Mein Herz schlug höher. Ich setzte mich wieder zurück in den Sessel, der Film hatte gerade begonnen. Die beiden Hauptfiguren fingen an, sich zu küssen, als ich mich nach vorne beugte und die Hand an seinem Nacken streichelte. Mein Auserwählter reagierte gar nicht. Dafür seine Freundin, die sich zu mir herumdrehte und fragte: "Geht's noch?" Nun gut, dann eben nicht, nur nicht verzagen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, sagte ich leise vor mich hin.

Ich kann doch nichts dafür, dass ich mich auch nach ein klein wenig Liebe sehnte, oder? Er sehnte sich jedenfalls nicht danach, zumindest nicht mit mir, obwohl ich ihm doch nach einer kleinen Pause ein wenig Cola ans Hemd kippte. "Jetzt reicht es", sagte er und drehte sich um. "Dafür müssen sie bezahlen." Na, will ich ja auch, dachte ich. "Oh, es tut mir so leid, verzeihen Sie, wäre es nicht besser, Sie geben mir ihr Hemd und ich wasche den Fleck schnell aus", bat ich ihn unaufdringlich. Seine Freundin: "Los, geh schnell mit und wasche den Fleck aus, wir wollen doch nachher noch zu meinen Eltern." Genau, dachte ich, wasch den Fleck doch aus. Er kam widerwillig mit zu den Toiletten und schien gar keine Lust zu haben, sein Hemd auszuziehen. Das änderte sich rasch, als ich meine Bluse aufknöpfte.

 

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